Dieses Programm für die Zukunft Würzburgs hat die GRÜNE Jugend Würzburg Anfang 2019 erarbeitet und beschlossen.

Die nun gewählten Madantträger*innen Niklas Dehne, Konstantin Mack und Magdalena Laier werden ab Mai in Zusammenarbeit mit der GRÜNEN Fraktion aktiv für deren Umsetzung im Stadtrat kämpfen.

0. Einleitung

Bei den Kommunalwahlen 2020 geht es um viel. In Stadt und Landkreismüssen in den nächsten Jahren die Weichen gestellt werden, um die RegionWürzburg fit für die Zukunft zu machen. Für uns ist klar, dass wir in vielenverschiedenen Bereichen tiefgreifende Veränderungen benötigen.Kommunalpolitik bedeutet, sich direkt und unkompliziert vor Orteinzumischen, auch als junger Mensch. Doch bisher ist dies gerade inWürzburg und Umgebung oft Sache derälteren Generation. Wir als junge Menschen wollen über unsere Zukunftmitbestimmen! Deswegen möchten wir bei den Kommunalwahlen 2020 unddarüber hinaus für die folgenden Ziele kämpfen: 

1. Umweltschutz, Naturschutz und Klimaschutz:

Im Bereich des Umwelt-, Klima- und Naturschutzes wollen wir sowohl imLandkreis als auch in der Stadt Würzburg substanzielle Verbesserungenbewirken, um so unsere Lebensgrundlagen zu sichern. 

a. Gewässerschutz:

Besonders am Herzen liegt uns der Gewässer- und Trinkwasserschutz, gerade imtrockenen Unterfranken. An und in Pleichach und  Kürnach waren zuletzt immer wiederFischsterben zu beobachten. Die Regenrückhaltebecken entlang der Bächemüssen deutlich vergrößert werden und mit Sicherungsmechanismenausgestattet werden. In keines unserer Gewässer, darf ungeklärtes Abwasser eingeleitet werden!Im Stadtgebiet Würzburg wollen wir die Pleichach so weit wie möglich freilegen,insbesondere im Bahnhofsbereich, und renaturieren. Dazu gehört auch dieRehabilitierung des Fischbestandes im Bach. An den anderen Gewässern imLandkreis, wie zum Beispiel dem Aalbach und der Tauber, wollen wir durch dieSchaffung von Randstreifen Gewässerschutz betreiben. Am Main sollten weitererenaturierte Altarme geschaffen werden, um Tieren Rückzugsorte an derBundeswasserstraße Main zu bieten. Ebenso setzen wir uns für den Schutz desGrundwassers ein. In diesem Zusammenhang muss der Skandal im Schotterwerk Aub schnellstmöglich und vollständig aufgeklärt, sowie trinkwasserbelastende Substanzen aus demSchotterwerk entfernt werden. Um Wasser zu sparen, sollte in Würzburg derEinbau von Zisternen in Privathäuser verstärkt gefördert werden. StädtischeNeubauten sollten standardmäßig mit Zisternen ausgestattet sein. 

b. Flächenversiegelung verringern:

Ein großes Problem ist auch im Landkreis Würzburg die zunehmendeFlächenversiegelung. Die interkommunale Zusammenarbeit sollte starkverbessert werden, um zusätzliche Flächenversiegelung so gut wie möglich zuvermeiden. Insbesondere sollten keine Supermärkte mehr „auf der grünenWiese“ gebaut werden. Im Stadtgebiet Würzburg wollen wir die vierspurigeVersbacher Straße auf zwei Spuren zurückbauen und damit Flächen entsiegeln. 

c. Arten- und Naturschutz:

Sowohl im Landkreis als auch in der Stadt sollte durch das Anlegen vonBlühwiesen und Rückzugsgebieten für bedrohte Arten wie zum BeispielFledermäuse und Feldhamster aktiv Arten- und Naturschutz betrieben werden. DieRodungen der Firma Benkert in Thüngersheim müssen sofort gestoppt werden.Das durch die Beschlüsse des Kreistags veränderte Naturschutzgebiet im Taubertal sollte soweit möglich wieder hergestellt werden. In der Stadt Würzburg sollen der Ringpark sowie bestehende Bäume geschützt werden. Es muss der Grundsatz gelten: erst Straßen und Parkplätzezurückbauen, dann Bäume fällen. Wir fordern darüber hinaus, dass in Würzburg, insbesondere in der Innenstadt, neue Bäume gepflanzt werden, um in Zeiten des Klimawandels einer Überhitzung der Stadt entgegenzuwirken. Sollte der Busbahnhof verlegt werden, muss der Ringpark an dieser Stelle wiederhergestellt werden.Zum Insektenschutz soll Lichtverschmutzung vermieden werden. DieStadtwerke Würzburg müssen darüber hinaus schnellstmöglich Ökostrom beziehen. 

2. Mobilität:

In der Verkehrspolitik muss in Stadt und Landkreis Würzburg eine 180-Grad-Wende erfolgen. Noch immer wird dem Auto insbesondere in der Stadt Würzburg ein viel zu hoher Stellenwert eingeräumt. Die Radinfrastruktur und derÖPNV wurden stattdessen in den letzten Jahren stark vernachlässigt. ImLandkreis Würzburg sieht es leider ähnlich aus. Noch immer sind selbststadtnahe Gemeinden mit dem Bus nur unzureichend an Würzburg angebundenund das Fahrrad wird im Landkreis als Naherholungsgerät und nicht als Fortbewegungsmittel betrachtet. 

a. Öffentlicher Nahverkehr:

Um die Situation des Würzburger Bus- und Straßenbahnnetzes zu verbessern, muss in einem ersten Schritt die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis intensiviert werden, um einebessere Verzahnung der Angebote zu erreichen. Diese müssen zudem starkausgebaut werden. Die Straßenbahnlinie 6 muss in der nächstenLegislaturperiode gebaut werden. Zudem sollte sie nicht nur bis ans Hubland,sondern bis nach Gerbrunn geführt werden. Wir fordern darüber hinaus den Bau einer Querspange vom Sanderring zur neuen Linie 6, um so den Straßenbahnverkehrdurch neue Linienführung besser und effizienter verteilen zu können. DerStraßenbahnhalt Bahnhofsvorplatz sollte nutzer*innenfreundlich umgebautwerden, sodass dort weniger Zeit verloren geht. Bis 2026 muss zudem mit einemPlanfeststellungsverfahren für eine Straßenbahnlinie in die Lindleinsmühle undnach Versbach begonnen werden. Langfristig soll der Bau von Straßenbahnliniennach Höchberg sowie Zell/Margetshöchheim angestrebt werden. Für den Bauneuer Linien und die Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge wollen wir diezurzeit großzügig vorhandenen Fördermittel nutzen. Jede Straßenbahnlinie sollzwischen 6 und 20 Uhr im 10-Minuten-Takt verkehren, von 20-24Uhr im 20-Minuten-Takt. Die zurzeit betriebene Einstellung vonStraßenbahnlinien am Abend, am Wochenende und in den Sommerferien lehnenwir ab.Ebenfalls Reformbedarf hat der Busverkehr im Landkreis Würzburg. Wir forderneinen echten Stundentakt für alle Gemeinden im Landkreis Würzburg zwischen 6 und 24 Uhr auch am Wochenende, für stadtnahe Gemeinden einenHalbstundentakt zwischen 7 und 20 Uhr. In sehr stadtfern gelegenen Gemeindensoll die Taktung vor allem am Wochenende durch intelligente Rufbussystemerealisiert werden. Die stadtnahen Gemeinden müssen in das sehr gutfunktionierende Nachtbussystem der Stadt Würzburg eingebunden werden.Darüber hinaus wollen wir die Zusammenarbeit mit anderenVerkehrsgesellschaften, wie beispielsweise der VGMT, zur Bereitstellung vonNachtbusangeboten verbessern. Eigenwirtschaftlich betriebene Busverkehrewollen wir abschaffen. Die Fahrpläne müssen vom Kommunalunternehmenvorgegeben werden, um unnötige Kollisionen zu vermeiden. Die Abfahrtszeiten der Busse wollen wir besser an die Schulschlusszeiten anpassen. Die Verkehrsgesellschaften APG und die VVM sollen verpflichtet werden, am Ende eines jeden Jahres einen detaillierten Pünktlichkeitsbericht für alle Linien vorzulegen.Die Abfahrtszeiten der Straßenbahnen und Busse müssen deutlich besser an die Abfahrtszeiten der Deutschen Bahn angepasst werden. Die Bahnhalte in Heidingsfeld müssen reaktiviert werden, ebenso wie die Bahnlinie Würzburg-Volkach.Allgemein sollen schnellstmöglich sowohl in der Stadt als auch im Landkreisnur noch barrierefreie Fahrzeuge auf allen Linien eingesetzt werden. Denbarrierefreien Umbau von Bushaltestellen wollen wir genauso wie den Ausbauder dynamischen Fahrgastinformation stark beschleunigen. In allen Fahrzeugensollte WLAN angeboten werden. Darüber hinaus muss so schnell wie möglicheine leicht zu bedienende App für Stadt und Landkreis bereitgestellt werden, inder unkompliziert Ticketkäufe möglich sind. Ebenfalls notwendig ist dieEinrichtung einer API-Schnittstelle, die Ticketkäufe für den Würzburger ÖPNV inder Bahn-App ermöglicht. Die zurzeit genutzte Tarifstruktur mit demWabensystem wollen wir reformieren, um eine größere Übersichtlichkeitherzustellen. Die Ticketpreise sollten massiv gesenkt werden. Menschen unter18 Jahren sollen den ÖPNV zukünftig ticketlos nutzen können. Für Schüler*innen, Auszubildende, Freiwilligendienstleistende und Studierende über 18 Jahre soll ein starkvergünstigtes Ausbildungsticket – ähnlich dem zurzeit bestehendenSemesterticket – mit Gültigkeitsbereich in ganz Unterfranken angeboten werden.Langfristig sollen alle Menschen den ÖPNV ticketlos benutzen können. 

b. Radverkehr:

Die Radinfrastruktur wollen wir sowohl im Landkreis als auch in der Stadtverbessern. In Würzburg sollen statt der bisher gebauten, von Autos immernoch befahrbaren Schutzstreifen sogenannte Protected Bike Lanes (geschützte Radwege) eingerichtet werden. Das Radwegesystem wollen wir so schnell wie möglich ausbauen.Radwege müssen gut instandgehalten werden und dürfen nicht „im Nichts“enden. Poller und ähnliches, die nicht notwendig sind und Lastenräderbehindern, sollen zurückgebaut werden. Ampelschaltungen müssen besserauf die Bedürfnisse von Radfahrer*innen abgestimmt werden. Die stadtnahenGemeinden sollen durch beleuchtete Radschnellwege an die Stadt angebundenwerden. Die Tourist*innenradwege entlang des Mains müssen zu Radschnellwegenausgebaut werden. Wir fordern, dass die Stadt Würzburg Lastenräder zur kostenlosenAusleihe zur Verfügung stellt und einen Zuschusstopf für den Kauf vonLastenrädern einrichtet. 

c. Autoverkehr:

Beim Autoverkehr ist für uns klar, dass dieser innerhalb der Stadt Würzburgstark zurückgehen muss. Oberflächenparkplätze in der Innenstadt wollen wirsukzessive zurückbauen. Mittelfristig soll der komplette Bischofshutautofrei sein. Über Parkgebührenerhöhungen wollen wir zusätzliche Einnahmen generieren, um günstigere ÖPNV-Tickets zu ermöglichen.An den Stadträndernwollen wir Park-and-Ride-Parkplätze einrichten. Dabei soll dieFlächenversiegelung so gering wie möglich gehalten werden. NeueCar-Sharing-Stationen auf bereits vorhandenen Parkflächen sollen errichtet werden.Den Bau der B26n im Landkreis Würzburg lehnen wir ab. 

d. Fußverkehr:

Für Fußgänger*innen sollten schnellere Bedarfsampeln mit längerenGrünphasen eingerichtet werden. Außerdem wollen wir die Fußgängerzoneerweitern, beispielsweise durch Einschluss der Plattnerstraße oder Theaterstraße. 

3. Finanzen: 

Ein grünes Würzburg hört für uns bei der Finanzierung nicht auf. Wir fordern,dass die Stadt Würzburg zukünftig kein Geld in Kohle-, Erdöl- undErdgasunternehmen investiert und etwaige derzeitige Investmentsschnellstmöglich, spätestens jedoch innerhalb von fünf Jahren nach derKommunalwahl, abzieht.Geschlechtergleichheit muss sich auch in finanziellen Aspekten widerspiegeln:Wir fordern die Erarbeitung eines Gender-Budgeting-Konzepts für den Haushaltder Stadt Würzburg. Der Stand der Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen sollregelmäßig von der Gleichstellungsstelle der Stadt Würzburg überprüft werden. 

4. Wohnen: 

In den letzten Jahren sind zum einen die Mietpreise in Würzburg deutlichgestiegen, zum anderen der verfügbare Wohnraum immer knapper geworden.Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, fordern wir die Einführung einesstädtischen Mietspiegels, der von der Stadt Würzburg in Zusammenarbeit mitMieter*innen- und Vermieter*innenorganisationen erarbeitet wird. Bei der Berechnung sindauch energetische Aspekte zu berücksichtigen. Für den Bau günstiger Wohnungen steht insbesondere die Stadtbau Würzburg GmbH in derVerantwortung. Damit sich auch alle Studierenden eine Unterkunft in Würzburgleisten können, fordern wir für die kommenden Jahre eine Ausbauoffensive von Studierendenwohnheimen. 

5. Soziales Miteinander: 

Eine Stadt lebt von der Vielfalt ihrer Bürger*innen. Um diese zu erhalten und eingutes Miteinander zu garantieren, fordern wir den Ausbau derBürger*innendialoge sowie eine Stärkung des nachbarschaftlichenEngagements, etwa durch städtische Zuschüsse für Initiativen in diesem Bereich.Zur Garantie des sozialen Miteinanders gehört für uns auch die Unterstützungvon LGBTQ*-Personen. Wir fordern, dass die Stadt den Christopher Street Dayaktiv unterstützt. Für die besonders vulnerable Gruppe der LGBTQ*-Geflüchtetenfordern wir die Einrichtung von Schutzräumen, etwa durch separateUnterbringungsmöglichkeiten. 6. Stadtbild:Das Stadtbild von Würzburg muss sich ändern. Wir fordern eine kreativeGestaltung von öffentlichen Wänden durch Begrünung oder Street Art und mehrSpielplätze in der Innenstadt. Außerdem braucht die Stadt mehr öffentlicheSitzgelegenheiten. Das Landesgartenschaugelände am Hubland muss für junge Menschen attraktiver gestaltet werden, sodass es einerseits gesteigertenFreizeitwert hat und andererseits als grünes Lernumfeld genutzt werden kann.Die flächendeckende Digitalisierung ist von großer Bedeutung, umMenschen die Möglichkeit zu geben, sich auch außerhalb von Ballungszentren zubewegen und gleichzeitig vernetzt zu sein.In Würzburg leben sehr viele junge Menschen. Wir fordern mehrBeteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene in Form vonJugendparlamenten und Jugendräten im Stadt- und Landkreis.Essen ist ein Grundbedürfnis. Dashalb fordern wir in öffentlichen Beeten denAnbau von Bio-Obst und Gemüse nach dem Konzept der essbaren Stadt und einstädtisches Foodsharing-System. Dazu müssen öffentliche Trinkwasserbrunnenerrichtet werden.Um die Umweltbelastung durch Plastikbecher zu verringern, forndern wir einen„Würzburgmehrwegbecher“ für heiße Getränke nach in Freiburg bereitsrealisierten Projekt.Zu viele motorisierte Fahrzeuge in Würzburg sehen wir als großes Problem. Wirfordern deshalb den sogenannten Bischofshut der Würzburger Innenstadtautofrei zu gestalten und mindestens drei autofreie Sonntage im Jahr im ganzenStadtgebiet mit kostenlosem ÖPNV zu veranstalten.